Am dritten Tag haben wir tatsächlich etwas länger geschlafen, so bin ich gegen 7:30 Uhr dann zur morgendlichen Hafenrunde aufgebrochen. Das Frühstück gab es wieder um 8:30 Uhr. Nach dem Frühstück hatten wir dann eine Massage gebucht. Die Gastgeberin ist nicht nur Vermieterin, Bäuerin, Jägerin, Feuerwehr-Frau, begnadete Köchin, nein sie ist auch Krankenschwester und Physiotherapeutin. So ist Ihre Physio-Praxis Wellness-Ort und Erste-Hilfe-Station zu gleich, die wöchentliche Sprechstunde des Arztes findet hier genauso statt wie die Wellness-Behandlungen. Die Bilder und Darstellungen auf der Internetseite www.ferienwohnung-hallig-oland.de entsprechen voll der Wirklichkeit. Noch mehr Bilder zu der Unterkunft und vor allem den Belegungsplan findet man auf der Web-Seite https://haus-nommensen.vacation-bookings.com.
Die Massage hatten wir nacheinander jeweils für eine halbe Stunde. Danach mussten wir uns schon wieder umziehen, denn für 11:15 hatten wir bei Regina eine Hallig-Führung gebucht, unser Mitbewohner Udo ging mit. Dazu trafen wir uns am Leuchtturm.

Regina hat eine Seh-Behinderung, umso erstaunlicher, dass sie doch alles so gut beschreiben konnte. Der Leuchtturm ist nahezu 100 Jahr alt, nur 7,5 m hoch und der einzige Reet-gedeckte Leuchtturm in Deutschland. Das Licht des Leuchtturms sehen die Schiffer in unterschiedlichen Farben (weiß, grün, rot), je nachdem wo sie sich im Fahrwasser befinden. Der Leuchtturm wird vom Leuchtturm-Hilfswärter Jürgen Nommensen betreut, dem Mann unserer Vermieterin. Direkt neben dem Leuchtturm ist ein Notstrom-Generator für die Hallig, die Hallig wird seit 1954 normalerweise mit Strom vom Festland versorgt, aber falls dieser einmal ausfallen sollte, kann die Hallig mit Strom vom Generator versorgt werden.
Einige Häuser sind auch schon mit PV-Anlagen ausgestattet, aber nicht für alle Häuser kommt das in Frage, da die Montage der PV-Module auf Reetdächern wohl nicht möglich ist. Neben der Schule befindet sich das Feuerwehr-Haus. Dort ist eine Feuerwehrspritze stationiert, die bei Bedarf das Wasser aus dem Fething zum Löschen verwenden kann. Zwischen Leuchtturm und Feuerwehrhaus gibt es auch einen Spielplatz und seit kurzem wohnt auch wieder eine Familie mit Kind auf der Hallig. Dafür wurde zur Zeit unseres Aufenthaltes die Schule renoviert, denn bis zur 9. Klasse können die Kinder auf der Hallig unterrichtet werden.
Weiter ging es zum Fething einem Teich in der Mitte der Warft. Hier wird Regenwasser gesammelt. In früheren Jahren wurde aus dem Fething das Vieh getränkt. Für das Trinkwasser der Menschen gab es den Sood, eine Art Zisterne. Hier wurde das Regenwasser von den Hausdächern eingeleitet und musste mit Handpumpen oder Eimern wieder geschöpft werden.
Bei der Sturmflut 1962 hatte auch die Warft Landunter und die Trink-wasser-Vorräte waren danach versalzen. Die Hallig-bewohner mussten tagelang mit einem Schiff mit Trinkwasser versorgt werden. Seit 1964 versorgt eine Rohrleitung vom Festland die Halligbewohner mit Trinkwasser.

Regina wies uns dann noch auf den Pfahl am Hafen mit den Sturmflutmarken hin. Bei der Sturmflut 1976 standen die Häuser noch einmal bis zu den Fensterbänken im Wasser. Am Eingang zur Kirche befindet sich ebenfalls eine entsprechende Markierung. Danach wurde die Warft 1985 noch einmal erhöht und ein Ringdeich um die bestehende Warft gezogen. So blieben die Häuser auf der Warft bei der Januar-Flut von 1990 mit einem neuen Rekord-Höchststand trocken.
Hinter der Schule befindet sich das Gemeindehaus, hier gibt es neben öffentlichen Toiletten, einen Versammlungsraum und eine frei zugängliche Bücherei. Der Versammlungs-Raum besticht durch seine teils mit weißblauen Kacheln gefliesten Wände und zahlreiche alte Fotos und Informatio-nen zur Hallig.
Das Gemeindehaus war in früheren Jahren, gleichzeitig das Wohnhaus des Pastors, die Kirche befindet sich direkt dahinter.
Die aktuelle Kirche ist aus dem Jahr 1824 und wurde bei der Sturmflut 1825 nicht zerstört. Sie beherbergt zahlreiche Ausstattungsgegenstände aus älteren Kirchen der Hallig Oland. Die ursprüngliche Kirche stand auf einer anderen Warft, diese musste aber aufgegeben werden und man baute eine neue Kirche an dieser Stelle, größtenteils mit der Einrichtung der alten Kirche. So sind in der Kirche zahlreiche Gegenstände älter als die Kirche selbst. Die Kirche ist sehr klein, eine sogenannte Saal-kirche. Einige Dinge fallen auf. Die Kirche hat keinen Glockenturm, vielmehr hängt die Glocke in einem hölzernen Glockenstuhl, der neben der Kirche steht. Dies hat Stabilitäts-Gründe, einen Turm könnte man auf dem Marschboden nicht vernünftig gründen.
Viele Halligkirchen haben keinen Boden. Der Grund hierfür war, dass nach einer Flut das Wasser besser ablaufen kann. In dieser Kirche gibt es aber einen festen Boden, der allerdings einen großen Riss zeigt. Weiterhin fällt auf, die Kirche hat nur auf der Südseite Fenster, auch das hat einen praktischen Grund. Das Wetter und das drückende Wasser kommen in der Regel nicht aus südlicher Richtung. Viele Einrichtungs-gegenstände sind typisch für eine Kirche, Altar, Kanzel oder Heiligenfiguren. Auffallend ist auch ein Schiff, das im Altarraum an der Decke hängt, wohl eine Votiv-Gabe eines frommen Gemeinde-Mitgliedes. Besonders zu erwähnen sind der mittelalterliche Christus-Korpus am Kreuz im Altarraum und der Taufstein aus romanischer Zeit.
Zum Ende der Führung ging es wieder zurück zur Unterkunft, denn Regina wohnte direkt nebenan im Nachbarhaus.
Nach der Führung hatten wir uns ausgeruht und anschließend das Rätselheft herausgeholt. Zum Kuchen saßen wir dann später auf der Terrasse vor dem Haus. Am späten Nachmittag, nach dem Kuchen machten Udo und ich noch eine kleine Inselrunde. Vorbei am Hafen und weiter über den Sommerdeich, dann aber bei der ersten Abbiegung in Richtung Loren-Bahn und entlang der Loren-Bahn zurück zur Warft. Anita verbrachte die Zeit noch mit dem Rätselheft auf der Terrasse. Um 19:00 Uhr gab es dann wieder das Abendessen, das auch an diesem Tag wieder vorzüglich war. Bei netten Gesprächen mit Claudia und Udo ließen wir den Tag ausklingen.















