Am vierten Tag hatten wir leider nicht so gutes Wetter, der Himmel war bedeckt und so beschlossen wir an diesem Tag auf eine Besichtigungs-Tour zu gehen. Wir verließen das Hotel auf dem Badweg Richtung Strand und hielten dann beim „Aude Kolony Huis“. Dort findet sich in der Rezeption das Haus Gribus. Dies ist eigentlich nur der Raum der Rezeption, der eine Sammlung beinhaltet. Zum einen wird hier der Walfang und seine Geschichte dokumentiert, zum anderen werden einige recht skurrile Dinge ausgestellt, kartenspielende Hasen oder ein Präparat eines Fasans mit zwei Köpfen sind nur einige Beispiele. Sehr freundlich war die Dame an der Rezeption, mit der wir uns eine Weile angeregt und sehr nett über die Insel und die Landwirtschaft auf der Insel unterhalten haben. Direkt neben dem Haus Gribus, liegt die katholische Kirche St. Egbert. Die Kirche war an diesem Tag leider geschlossen, aber am Sonntag würde es einen Gottesdienst geben.
Dann fuhren wieder zurück Richtung Dorf, und bogen ein in den Cornelis-Visser-Pad Richtung Bade-Strand, aber bei der ersten Gabelung fuhren wir nicht links, sondern rechts und weiter auf dem Jacobs-Pad zum Berken-Plas, einem kleinen See in der Mitte der Insel. Direkt an dem See liegt eine urige Gastronomie, zu der wir abends noch einmal zurückkehren wollten. Darum setzten wir unseren Weg auch fort über den Prins-Bernhard-Weg zum Bunker Wassermann. Dies ist die Ruine einer Bunkeranlage, die während der deutschen Besatzung errichtet, aber gar nicht vollendet wurde. Eigentlich sollte hier eine Radar-Stellung entstehen, die aber wohl nie fertiggestellt wurde. Der Bunker wurde auf einer der höchsten Dünen der Insel angelegt, so hat von hier aus eine schöne Aussicht, sowohl in Richtung Watt als auch Richtung Nordsee. Man kann den Bunker auch von innen betreten.
Vom Bunker aus gingen wir zurück zum Fahrrad-Parkplatz. Dort sahen wir das Hinweisschild auf den Vredenhof (Hof des Friedens). Der Weg war mit Rindenmulch bedeckt, so entschlossen wir uns zu Fuß zu gehen. Der Weg war allerdings recht weit. Aber er hat sich gelohnt. Der Vredenhof ist ein Friedhof, ursprünglich war die Intention dort die an den Stränden gefundenen Schiffbrüchigen zu bestatten. Während des ersten Weltkrieges waren die Niederlande neutral, trotzdem tobte in der Nordsee der Krieg zwischen Groß-Britannien, Frankreich und Deutschland und offensichtlich wurden zahlreiche Leichen an den Stränden von Schiermonnikoog angespült und auf dem Vredenhof beigesetzt. 1926 wurde auf dem Friedhof eine kleine Kapelle gebaut. Während des zweiten Weltkrieges wurden dann weitere gefallende Soldaten aus Groß-Britannien, Frankreich, Kanada, Polen und Deutschland beigesetzt. Im Dorf finden sich im Koningshuis weitere Informationen zum Vredenhof, die Lebensgeschichten der dort bestatteten Soldaten werden hier beschrieben.
Da Wolken aufzogen, machten wir uns auf den Weg zum Strand-Cafe Marlijn, dort gönnten wir uns beide eine „Schokomelk met Slagroom“ und versuchten die Zeit des Schauers zu überbrücken. Immer mehr Menschen strömten in das Café und wir bezahlten, um Platz zu machen und dann draußen bei dem Fahrradplatz unter den Bäumen den Schauer abzuwarten. Es dauerte auch nicht allzu lang und wir konnten unseren Weg Richtung Kobbe-Duinen fortsetzen. Der Weg zu den Kobbe-Duinen endet an einem Fahrrad-Parkplatz, von hier aus muss man noch einige hundert Meter laufen, um zur Bake zu kommen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man folgt dem breiten Sandweg, der vom Parkplatz aus in die Dünen führt, bis zu den Wiesen und dann geht man rechts, die Bake ist dann auf der rechten Seite, oder man geht durch die Wiesen entlang der Kante zu den Dünen, auch von dieser Seite gelangt man zu einem Aufstieg zur Bake. Wir nahmen hin den Weg durch die Dünen und zurück den Weg durch die Wiesen. Von der Bake selbst aus hat man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Dünen und Wiesen.
Danach gingen wir zunächst zurück zum Hotel, da Anita aber noch etwas im Dorf zu besorgen hatte, gingen wir noch mal zurück ins Dorf. Zunächst besuchten wir das Muschelmuseum, hier wurden wir von einem freundlichen älteren Mann und einem jungen Mädchen wahrscheinlich seiner Enkeltochter begrüßt, sie verkaufte uns die Eintrittskarten und konnte dabei das Rechnen üben. Die Sammlung enthielt zahlreiche Muscheln und anderen Meerestiere. Nicht alles war von Schiermonnikoog, vielmehr waren Muscheln aus der ganzen Welt ausgestellt, aber so betonte der Inhaber alles selbst gesammelt. Anschließend machten wir noch einige Besorgungen und schauten uns im Dorf um. Ich schaute mich in den Parks links und rechts vom Hotel Graaf Bernstorff noch etwas um. Auf dem Rückweg entdeckten wir dann noch das „Koningshuis“. Hier erfährt man einiges über die Geschichte und das Leben auf der Insel. Ein großer Teil der Ausstellung ist auch dem Thema Vredenhof und den dort begrabenen Soldaten gewidmet.
Als Henkersmahlzeit beschlossen wir an diesem Abend im Hotel zu essen. Das Essen liegt zwar im gehobenen Preissegment, aber dafür ist das Essen und der Service auch vorzüglich. Zunächst bestellten wir uns als Vorspeise ein „broodplankje met diverse schmeersels“, eine Riesenportion an frisch aufgebackenen braunen und weißen Brötchen mit Kräuterbutter und einem anderen Brotaufstrich. Bei einigen Gerichten war als Garnitur für das Fleisch „gebaken champignons, ui en droge worst“ in der Auswahl. Gebratene Champignons und Zwiebeln das konnten wir uns vorstellen, aber was soll „droge worst“ sein? Also fragten wir danach und der Kellner brachte uns in einem Schälchen 5 Stückchen zur Probe, es handelt sich um eine luftgetrocknete Mettwurst, die in Scheibchen geschnitten war, so wie bei uns häufiger Speckwürfelchen in einer solchen Beilage verwendet werden. Ich bestellte also ein „Bavette“ (Steak aus der Flanke des Rindes) mit dieser Beilage und Anita ein „Tournedos“ (Medaillon aus dem Filet des Rindes) mit Pfeffersoße. Dazu gab es dann als Beilagen gebratene Kartoffeln, Blumenkohl und einen Salat. Alles schmeckte vorzüglich und war so reichlich, dass für ein Dessert, das wir eigentlich auch eingeplant hatten, kein Platz mehr war.
Nach dem Essen begaben wir uns noch einmal auf die Reise, am Berkenplas sollte es einen Musikabend mit einer Blues-Band geben, und wir wollten uns das nicht entgehen lassen. Obwohl wir eine halbe Stunde vor Beginn dort waren, waren schon alle Tische besetzt und wir fragten an einem Tisch, wo nur zwei Personen saßen, ob wir uns dazu setzen dürften. Schnell kamen wir mit dem Paar ins Gespräch und ich hatte schon überlegt, wo ich den Mann schon einmal gesehen hatte. Es stellte heraus, dass der Mann einer der Sänger des Shanty-Chors war. Der Abend nahm seinen Lauf und das Lokal wurde immer voller, da wir vom Tisch die Band nicht mehr sehen konnten, gingen wir auf die Terrasse, auch die hatte mittlerweile ziemlich gefüllt. An einem Tisch entdeckten wir unseren Zimmer-Nachbarn aus dem Hotel, auch mit ihnen führte noch eine nette Unterhaltung. Es Schweizer Paar und beide waren Organisten, als wir erzählten das wir von Kevelaer, waren wir verwundert, dass unsere Stadt bei den beiden Schweizern als Wallfahrtsort und wegen Orgel bekannt war. Auch unseren ehemaligen Organisten Wolfgang Seifen, der heute Professor in Berlin ist, war ihnen bekannt. Wir luden sie ein, dass wenn sie einmal nach Kevelaer kommen möchten, uns gerne ansprechen dürfen für eine kleine Stadtführung oder für die Unterkunft. So hatten wir dann noch einen schönen Abschiedsabend. Zurück im Hotel gingen wir dann auch direkt schlafen.










































